Vernissage
Samstag, 10.10.2026, 19 Uhr
Start im KunstQuartier
Allianzen Sticken
Samstag, 24.10.2026, 16–19 Uhr
Kollektiv „Mackerinnenanstalt“
Ort: skulptur-galerie
Altstadt BEATS:
Samstag, 07.11.2026, 17–22 Uhr
Ort: KunstQuartier
Ausstellungsdauer: 10.10.–14.11.2026
Nahtstellen (Open Call)
Ausstellungszeitraum: 10.10. — 14.11.2026
Die Ausstellung „Nahtstellen“ widmet sich textilen Arbeiten innerhalb der zeitgenössischen Kunstszene und versteht das Textile dabei nicht als Randmedium, sondern als eigenständige künstlerische Sprache.
Lange Zeit galten textile Techniken als das Material häuslicher Unsichtbarkeit, produziert im Privaten, abgewertet als „Hausfrauenkunst“ oder als dekoratives Beiwerk. Was über Jahrhunderte Räume schmückte, Kleidung reparierte oder Familiengeschichten konservierte, fand im kunsthistorischen Kanon meist keinen Platz. Das Textile erfährt eine deutliche Neubewertung und etabliert sich zunehmend im Bereich der bildenden Künste. Textile Arbeiten sind Träger politischer Statements und beschäftigen sich mit Identität, Erinnerung, Care-Arbeit oder Konsum.
Dieser Vielfalt wollen wir mit „Nahtstellen“ einen Raum geben. Ziel der Ausstellung ist es einerseits, die Sichtbarkeit textiler Positionen zu stärken und andererseits die Kunstszene in Osnabrück aktiv zu öffnen und zu vernetzen.
Kuratiert von Kira Feiland, Eva Lause und Emily Witte
Die ausgewählten und ausstellenden Künstler*innen:
Skulptur-galerie:
Nike Finger-Hamborg (Osnabrück),
Merle Lembeck (Osnabrück),
Paula Freitag (Bremen),
Dewi Amelia Platz (Münster)
BBK/KunstQuartier:
Eva Preckwinkel (Osnabrücker Land),
Michael Holtgrewe (Osnabrücker Land),
Hassan Sheidaei (Bremen),
Bokeum Lee (Dortmund)
Die Künstler*innen in der Ausstellung im KunstQuartier im BBK: Michael Holtgrewe, Hassan Sheidaei, Bokeum Lee und Eva Preckwinkel.
Foto: © Kerstin Hehmann
Bokeum Lee
verbindet textile Techniken mit fotografischen Verfahren zu fragilen, beinahe erinnerungsartigen Räumen. Handgestrickte Strukturen treffen auf Cyanotypie, Lichtspuren und Materialschichten, die Geschichten von weiblicher Erfahrung, Herkunft und familiären Einschreibungen tragen.
Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Körper und Archiv, zwischen Intimität und kollektiver Erinnerung. Dabei interessiert sie besonders, wie sich Emotionen und generationsübergreifende Prägungen in Material übersetzen lassen und eine physische Präsenz entwickeln.“
Die drei textilen Arbeiten beschäftigen sich aus weiblicher Perspektive mit Erinnerung und Körperlichkeit. Sie untersuchen, wie unerwünschte körperliche Berührungen Spuren im Körper und im Gedächtnis hinterlassen. Gleichzeitig thematisieren sie den gesellschaftlichen Blick auf den weiblichen Körper, der nicht als Ganzes, sondern fragmentiert wahrgenommen und bewertet wird. Die verwendeten textilen Materialien machen diese eingeschriebenen Erinnerungen und Erfahrungen sichtbar.
Eva Preckwinkel
Von 1941 bis 1944 wurde unter der deutschen Herrschaft in Belarus die Bevölkerung systematisch ausgehungert und ganze Dörfer wurden vernichtet. Dass ihr Großvater zu den Tätern gehörte, hat sie erst spät erfahren.
Die „alten Minsker“, als die er und seine ehemaligen Kameraden sich selbst bezeichneten, trafen sich jährlich ab 1949. Die textile Installation besteht aus 5 weißen Westen, die mit Auszügen aus Leumundszeugnissen und den eigenen Aussagen zur NSDAP-Mitgliedschaft beschriftet sind
Die Arbeit mit Textilien hat einen großen Anteil in der Kunst von Eva Preckwinkel. Sie nutzt dafür fast ausschließlich recycelte Materialien, die sie in unterschiedlichen textilen Techniken einsetzt.
Thematisch greift sie aktuelle Diskurse auf oder befasst sich mit der (NS-)Geschichte. Dabei entsteht ein starker Kontrast zwischen den weichen und leichten Materialien und den oftmals harten und geradezu unerträglichen Themen. Die verwendeten Textilien tragen bereits einen eigenen Anteil an Geschichte in sich.
Hassan Sheidaei
arbeitet hauptsächlich mit Kleidungsstücken und Textilien als künstlerischen Materialien. In seinen Werken verbindet er persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragestellungen und eröffnet neue Perspektiven auf Identität, Erinnerung und Wandel.
Getragene Stoffe erzählen Geschichten und werden zu Trägern individueller wie kollektiver Erfahrungen. Gleichzeitig setzt er sich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourcenverbrauch und Umwelt auseinander, indem er vorhandene Materialien in neue Kontexte überführt. Seine Arbeiten vereinen unterschiedliche Ästhetiken und schaffen einen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Alltagskultur und Kunst.
Die »Fußleisten« wirken auf den ersten Blick fröhlich in ihrer Farbigkeit. Aus der Nähe erkennt man, dass sie aus zusammengepressten Textilien bestehen. Es sind aneinandergereihte Blöcke gleichen Formats aus Altkleidern, somit Kleidungsstücken, die ihre Besitzer für eine bestimmte Zeit ihres Lebens begleitet haben. Hassan Sheidaei kennt die ehemaligen Träger dieser Kleidung. Es sind Familien, die Migration oder Flucht erleben mussten. Leben hat sich in diese Kleidungsstücke eingeschrieben.
Michael Holtgrewe
findet seinen künstlerischen Ausdruck in der Tapisserie. Er arbeitet mit der tufting-gun Technik und erstellt hauptsächlich großformatige Wandteppiche, in denen er verschiedene Garne, von Wolle über Acryl bis hin zu Seidenfäden verarbeitet.
Er arbeitet freihändig ohne Vorzeichnungen, so dass sich die Formensprache, Farbauswahl und Materialien intuitiv im Arbeitsprozess entwickeln.
Das Wandobjekt „Achat“ ist intuitiv im Arbeitsprozess entstanden. Es erinnert an aufgeschnittene Edelsteine, Achate, die sich zusammenfügen. Spannend hier ist der Gegensatz vom weichen Arbeitsmaterial zum eigentlichen sehr harten Gestein.
Michael Holtgrewe ist seit 2024 ständiges Mitglied der Ateliergemeinschaft DaunTown.
AUSSCHREIBUNG
Über den Open Call wurden acht Künstler*innen ausgewählt. Vier Künstler*innen aus Osnabrück und der Region, vier weitere im Radius von 150 km um Osnabrück herum (zum Beispiel Münster, Bielefeld, Oldenburg oder Bremen).
Gesucht wurden Künstler*innen, die sich im Bereich der Textilkunst verorten und Werke, bei denen textile Verfahren sowohl klassisch als auch experimentell als Medium genutzt werden, um gesellschaftliche, persönliche oder räumliche Fragestellungen zu verhandeln.
WIR sind:
Kira Feiland, Eva Lause und Emily Witte – drei Künstler*innen aus Osnabrück, die mittels einer Projektförderung die Ausstellung „Nahtstellen“ in den Kunsträumen des BBK/KunstQuartier und der skulptur-galerie realisieren. Alle drei arbeiten im kuratorischem Gremium der skulptur galerie und Eva Lause ist zudem 2. Vorsitzende des BBK Osnabrück.
WER konnte sich bewerben:
– Textil-Künstler*innen oder Kollektive, die klassisch oder experimentell mit textilen Techniken arbeiten
– Künstler*innen oder Kollektive jeden Alters
– Künstler*innen oder Kollektive aus Osnabrück und der Umgebung ODER im Umkreis von 150 km (z.B. Münster, Bielefeld, Oldenburg, Bremen)
WAS bieten wir:
– 200 € Honorar pro Künstler:in oder Kollektiv
– 50 € Transportkostenpauschale pro Künstler:in oder Kollektiv
– Jeweils eine Gruppenausstellung im BBK / KunstQuartier ODER der skulptur-galerie (die Aufteilung der Positionen übernehmen die Kurator*innen)
Bei Fragen: presse@bbk-osnabrueck.de
Eine Kooperation zwischen dem BBK Osnabrück und der skulptur-galerie.
Mit freundliche Unterstützung von:





